Der Suchmaschinen-Gigant Google (NASDAQ: GOOG) hat wieder ein neues Produkt auf den Markt geworfen. Google Latitude erlaubt es Nutzern, über das Internet den aktuellen Aufenthaltsort von Freunden zu sehen. Damit geht das Unternehmen einen großen Schritt weiter als einige andere Online-Dienste, wie z.B. Twitter. In Kombination mit Google Maps kann man nämlich den exakten Ort sehen, an dem sich die entsprechende Person aufhält.
Dieser neue “Service” verstärkt das Gefühl, dass Google langsam aber sicher auf die völlige Transparenz des Menschen hinarbeitet. Natürlich ist die Teilnahme freiwillig und nur Personen, denen ich es erlaube, können sehen, wo ich mich gerade befinde, aber tausende von Google-Nutzern werden schnell beginnen Google Latitude zu nutzen ohne sich zuvor über die Bedeutung Gedanken zu machen.
Betrachtet man die große Spannweite von Googles Diensten im Internet und Googles Ambitionen auch in der Offline-Welt mitzumischen, kommt man schnell zu dem Schluss, dass das Unternehmen bereits eine unglaublich große Ansammlung an Daten und damit Macht über Konkurrenten und Kunden hat. Kurzum, Google bewegt sich immer weiter in eine Monopolstellung, und das längst nicht mehr nur im zentralen Suchmaschinenbereich.
Google bietet zum Beispiel den populären Email-Dienst Gmail an (in Deutschland Google Mail). Dadurch hat die Firma theoretisch Zugriff auf den elektronischen Briefverkehr der Gmail-Nutzer und dadurch Einsicht in private Geheimnisse oder Geschäftsinformationen. Hinzu kommen Bilddienste, wie z.B. Picasa Web Albums, wo Nutzer ihre Fotos hochladen und ins Internet stellen können. Google Maps und Google Earth ermöglichen das einfache Auskundschaften der Welt und das Ausfindigmachen von Adressen – mittlerweile geht das in einigen Städten sogar schon mit einem digitalen Spaziergang: Google ist die Straßen abgefahren, hat sie Meter für Meter fotografiert und anschließend zu einer dreidimensionalen Welt zusammengefügt. Auf diesen Fotos sind auch die Passanten zu erkennen, obwohl vor kurzer Zeit damit begonnen wurde, diese zumindest teils unkenntlich zu machen. Mit dem Weblog-Service Blogger verwaltet das Unternehmen darüber hinaus Millionen von seinen Kunden erstellte Inhalte, die Google Toolbar zeichnet das Surfverhalten der Internetnutzer auf und analysiert dabei automatisch alle besuchten Webseiten, der hauseigene Browser Google Chrome erledigt all das sowieso im Hintergrund, in Google Calendar kann man seine Termine organisieren und im Google Reader sowie bei Google News die aktuellen Nachrichten und persönlich ausgewählte Artikel lesen. Als ob das noch nicht genug wäre, zählt der Video-Service YouTube ebenfalls zum großen Firmengeflecht und per Google Video wird zusätzlich das Suchverhalten der Benutzer bei konkurrierenden Video-Diensten aufgezeichnet. Und weil das immer noch nicht ausreicht, dominiert Google mit AdWords und AdSense die Welt der Online-Werbung wie kein anderer Konzern zuvor.
Nimmt man all das zusammen, wird klar, dass die einst kleine Suchmaschine sich zu einem wahren Powerhouse entwickelt hat, das eigentlich viel zu viel Macht und Wissen auf sich vereint. Je mehr Dienste von Google man in Anspruch nimmt, desto genauer wird das Bild, das die Firma von einem erhält und desto maßgeschneideter wird die Online-Werbung sein, die einem dann vorgesetzt wird.
Ich sage nicht, dass die oben genannten Dienstleistungen nicht nützlich sind. Im Gegenteil, die meisten davon bestechen geradezu durch ihre einfache Bedienung und den großen Funktionsumfang, so dass man kaum nein zu ihnen sagen kann. Dennoch muss man sich vor Augen führen, wie viele Daten man täglich über das Internet auf die Google-Server lädt. Wenn in Deutschland die Durchsuchung von Computern durch den Geheimdienst diskutiert wird, wenn die Installation von Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen zur Steigerung der Sicherheit in Großstädten zur Debatte steht, oder wenn man irgendein ein Adressformular ausfüllen muss, das man eigentlich lieber leer lässt, immer dann wird protestiert. Wenn aber Google mit seinen verführerischen Anwendungen am Bildschirm anklopft, sagt man nur ungerne ab.
Vorerst ist Google Latitude das neue Produkt, das die Welt und die Menschen noch transparenter macht, schon bald werden die findigen Entwickler aus den Labors (den Google Labs) ein neues Programm erstellen und wie einen Satelliten in die Welt entsenden, damit auch schön viele Informationen wieder zurück kommen.


Die in Köln ansäßige 



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