Titelstory: Habemus Domainos Papae

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Geldgier oder frommes Handeln?

Am 19. April 2005 wird Kardinal Joseph Ratzinger zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche gewaehlt. Der neue Papst nennt sich “Benedikt XVI”. Und waehrend noch mehrere zehntausend Menschen dem Papst auf dem Petersplatz in Rom zujubeln, gibt es Menschen, die etwas anderes tun…

… sie registrieren Domains. Und zwar jene, die den Namen des neuen Papstes enthalten. Ihr Ziel? Die Domain-Registranten moechten von der Popularitaet des Papstes und der großen Berichterstattung in saemtlichen Medien profitieren und eine Domain mit hohem Traffic besitzen. Deshalb haben sich einige sogar schon vor der Papstwahl Papst-Domains gesichert, um den anderen zuvorzukommen. Denn eine Domain zu einem aktuellen und vieldiskutierten Thema kann sehr wertvoll sein.

Das dachte sich auch der Muenchner Stefan Achatz, der 35-jaehrige Betreiber zweier Fitnessstudios. Bereits zwei Tage vor der Papstwahl registrierte er sich die Domain “Papst-Benedikt.de” und erstellte eine kleine Webseite, die er dann online stellte. Darauf schaltet er Werbung und verdient, vor allem in Folge der immensen Berichterstattung, nicht schlecht. Seine Domain wurde ueber Nacht zum Paradebeispiel fuer Papst-Domains in Deutschland. In vielen Internetartikeln, Zeitungen und sogar im Fernsehen wurde ueber den Muenchner und seine Domain berichtet. Eine Praesenz, von der so mancher PR-Experte nur traeumen kann, und das kostenlos! Jetzt hat Achatz sogar schon Kaufanfragen von serioesen Interessenten erhalten und erwaegt ernsthaft, die Papst-Domain gewinnbringend zu verkaufen.

Aber nicht nur Achatz hatte eine gutes Gespuer. Auch ein Katholik namens Rogers Cadenhead aus den USA konnte sich seine persoenliche Papst-Domain registrieren: BenedictXVI.com. Laut dem Domainbesitzer erreichen seine Domain etwa 100 Zugriffe pro Minute. Aber Cadenhead moechte, laut eigenen Angaben, nicht an der Domain verdienen. Er sagt, er habe sie registriert, weil er verhindern wolle, dass sich Casino-Betreiber oder Betreiber von pornografischen Webseiten die Domain sicherten, um ihren Traffic abzufangen. Er sieht sich hier in der Rolle des Beschuetzers der Katholiken. Als Negativbeispiel nennt Cadenhead die Domain “WhiteHouse.com”, die lange Zeit eine Pornoseite war. Rogers Cadenhead sagt weiter, er wolle die Domain gerne kostenlos an den Vatikan transferieren, und er bekraeftigt noch einmal: Er moechte ausdruecklich keinen Profit aus der Domain schlagen, indem er sie an den Hoechstbietenden verkauft.

Manche haben da andere Plaene. So zum Beispiel der Inhaber der Domain “PopeBenedictXVI.com”. Der Registrant (laut den Whois-Daten eine Firma namens “Total Interest Ltd.”) hat sich die Domain bereits am 1. Februar 2005 gesichert. Und nach der Wahl des Papstes, als sich sein Tipp als richtig erwiesen hatte, eroeffnete er bei eBay am 19. April eine Auktion, in der er die Domain nun an den Hoechstbietenden verkaufen moechte. Bisher sieht es ganz so aus, als wuerde sich seine Domain-Registration als Gluecksgriff entpuppen, denn das aktuelle Hoechstgebot liegt bei knapp 17.000 US-Dollar - und die Auktion dauert noch fast eine Woche! Bisher verzeichnete sie sagenhafte 33.000 Besucher! (Hier der Link zur Auktion; oeffnet in einem neuen Fenster)

Von einem solchen Verkauf traeumen auch viele andere Domainhaendler. Deshalb sind bislang mehrere hundert (wenn nicht sogar tausend) Papst-Domains seit der Papst-Wahl registriert worden. Bei saemtlichen Domainboersen wird man fuer die Suchbegriffe “Benedikt” und “Benedict” ueber einhundert zu verkaufende Domains finden. Dass hier ein Ueberangebot herrscht ist offensichtlich, aber das schreckt die Spekulanten nicht davon ab, ihr Glueck dennoch zu versuchen.

Waehrend diverse Haendler auf einen gewinnbringenden Verkauf hoffen, gibt es in Domainforen auf aller Welt heiße Diskussionen darueber, ob es denn vertretbar sei, mit dem Namen des Papstes Geld zu verdienen. Die Einen aergern sich schlichtweg, nicht auch auf die Idee gekommen zu sein, sich eine gute Papst-Domain zu sichern. Andere dagegen prangern die Geldgier der Registranten an, weil sie nur auf das schnelle Geld ohne Arbeit ausseien; eine Einstellung, die nicht vertretbar sei. Die Papst-Domains spalten also die Lager.

In jedem Fall aber sind sie populaer. Sie haben taeglich hohe Zugriffe und immer noch eine Berichterstattung in den Medien. Da ist es durchaus moeglich, dass mehrere Haendler es schaffen, ihre Domain erfolgreich abzustoßen. Aber der entstandene Wahn um diese Domain-Registrierungen duerfte sich schon bald wieder legen, und dann werden aller Voraussicht nach auch die Zugriffszahlen der Domains wieder fallen, und mit ihnen sowohl die Werbeeinnahmen durch PPC-Werbung und Partnerprogramme, aber auch die moeglichen Verkaufspreise. Wer eine Papst-Domain verkaufen moechte, sollte sich also beeilen. Wen die Domains nerven, der muss jedoch gluecklicherweise nicht mehr lange aushalten. Schon bald wird sich die Situation beruhigt haben.

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